Dafür musste ich jetzt doch nochmal das ganze System hochfahren. Irgendwann ist auch meine Schmerzgrenze überschritten. Und gerade jetzt ist es so weit.
Derzeit läuft noch "Doppelter Einsatz" auf RTL. Kurz zum Plot (der erwartungsgemäß schnell erzählt ist): Mann wird ermordet, verdächtig ist erstmal die verschwundene Lebensgefährtin.
Und jetzt wird es spannend! Die Autoren der Serie nehmen sich 20 Minuten Zeit, den Zuschauer in die komplexe Welt der seelischen Erkrankungen zu führen. Die Hauptverdächtige, so stellt sich schnell heraus, ist
Borderlinerin. Vom impulsiven Typus, wie sich später herausstellt. Obgleich nicht explizit zwischen den einzelnen Typen differenziert wird. Nachdem das geklärt ist, spart man nicht an verschwommenen Bildern die ein Bild zeichnen, das schlimmer und falscher sicherlich nicht sein kann. Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie, Männer die auf offener Straße quasi von der Verdächtigen "angefallen" werden. Selbstverletzung auf offener Straße, inklusive
closeup der Augen mit sanfter Überblendung auf einen wolkenverhangenen Himmel. Assoziationen zum Drogenrausch sind hier sicherlich nicht zufällig.
Und in dem Stil geht es weiter. Freaks in Buchhandlungen die den Eindruck vermitteln als hätten sie Freud nach einem Kilo Cannabis auswendig gelernt, Psychologen die ziemlich steif aus dem DSM zitieren und dabei offenkundig keinerlei Sachkenntnis vermitteln. Was durch die angebliche, "gut wirksame" Medikation noch unterstrichen wird. Und zu guter Letzt die ständige Fehlbezeichung der Sache an sich. Die Boderline-Persönlichkeitsstörung ist ein STÖRUNG, deswegen heißt sie so. Eine Krankheit ist etwas anderes...
Sollte man der Verdächtigen eine Diagnose anhängen, so wird meiner Ansicht nach hier viel mehr eine klassische Psychose gezeigt. Und die hat nun wirklich nichts mit mit dem eigentlich Thema zu tun.
Auffällig ist die derzeitige Häufung des Themas im TV. Erst vor ein paar Tagen habe ich durch Zufall auf MTV ein Masters gesehen. Thema war die Störungen der Stars. Wenigstens drei mal wurde darauf hingewiesen, wie "nützlich" eine Boderline-Störung auf dem Weg zum Star, sein kann. Aber ich hatte mir fest vorgenommen, mich darüber nicht aufzuregen! Aber bei dieser "Durchnudelung" von - gesellschaftlich durchaus relevanten - Themen, kriege ich einen mittelschweren Anfall. Ist es so viel verlangt das die Autoren dieser Sendungen sich ein bisschen intensiver in das Thema einlesen? Mit einem nenneswerten Wissensschatz hätte man deutlich mehr aus diesem Thema machen können. Aber das passt vermutlich nicht in das seichte Konzept das hinter dieser Serie steht. Hier soll mit bekannten Schlagworten fokusiert werden. Mit weichen Bildern eine Tiefe geschaffen werden, die über die inhaltliche Schwäche hinweg täuschen sollen.
Wer mal auf einer psychiatrischen Station miterleben "durfte", wie aus einer erwachsenen Frau binnen Minuten ein kleines Kind wurde das zum wiederholten Male seine Trauma durchleben musste, der weiß das man solche Themen entweder ganz oder gar nicht angeht. Und angesichts der Tatsache das die Boderline-Persönlichkeitsstörung derzeit wohl die meist diagnostizierteste ist, sollte man sich zurück nehmen wenn es darum geht, massentaugliche und schlicht falsche Bilder und Eindrücke zu vermitteln.
Es gibt Momente, in denen habe ich wirklich ernsthafte Probleme mit dem TV Programm. Gerade solche Sendungen dienen vielen Leuten als Orientierung, als Wegweiser um sich selbst zu finden. Nicht zufällig wird in einschlägigen Foren immer und immer wieder "
Durchgeknallt" angeführt, wenn sich die Frage stellt wo man eigentlich das erste Mal davon gehört hat. Und machen wir uns nichts vor, der Film war noch gut recherchiert. Bis auf alte, aber dadurch authentische, Diagnosekriterien.
Lassen wir es, psychische Störungen aller Art zur Steigerung der Einschaltquote zu nutzen. Niemand hat etwas gegen den nicht näher definierten, aber ganz klar verrückten Massenmörder in einer klar zugeordneten Rolle. Aber wenn man versucht der ganzen Sache eine zwischenmenschliche Dramatik zu geben, wird es bedenklich.
Meiner Meinung nach...
SEETHER